Motorrad-Tour 1998 über Korsika, Sardinien und Sizilien.
Freitag, 17.April

Meine Vorstellungskraft über die Ausmaße der Rückbank meiner Yamaha Dragstar kann man bestenfalls als naiv bezeichnen. Ich habe neben den H&B 40l Koffern, dem 45l Topcase noch eine Ortlieb-Tasche und eine 60l-Gepäckrolle von Ortlieb gepackt. Jetzt stehe ich in der Garage vor dem Moped und grinse über mich selbst. Ich habe gepackt, als wollte ich mit dem Wohnmobil verreisen. Es hilft nur Abspecken, die Rolle bleibt hier.  Bitte kein hämisches Gelächter, es war meine erste große Camping-Tour auf dem Motorrad und ich war bisher nur per Auto, Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs.

Aber selbst abgespeckt fährt sich die Dragstar auf dem Weg zu Markus , als wenn – nein sie fährt nicht, sie schwimmt einfach nur noch. Auf dem Weg zu Markus ist die Reise fast schon zu Ende. Ein alter Mercedes kann nur noch mit Mühe sein Auto auf der nassen Straße hinter mir zum Stehen bringen.

Es wird weiter abgespeckt. Sämtliche Lebensmittel fliegen raus! Zu schwer! Einen Koffer teile ich mir mit Markus als unsere Küche und deshalb ist er mit Kochgeschirr, Kocher, Klopapier und was man so braucht randvoll. Der andere Koffer ist mit Motorradklamotten restlos gefüllt und das Topcase ist mit normalen Klamotten für die 3-wöchige Tour ebenfalls randvoll. Wie viel bzw. wenig man wirklich benötigt, beschreibe ich am Ende des Berichtes. In der Tasche sind Zelt und Schlafsack verstaut. Der Tankrucksack beherbergt die Karten, die Kamera, Filme, die Papiere, ein paar weitere Handschuhe und sonstigen Kleinkram. Morgen früh um 8:30 Uhr ist bei Michael in Bingen Abfahrt. Als Morgenmuffel werde ich deshalb direkt bei Michael übernachten.

Samstag 18. April
Abfahrt 8:30. Die Sonne scheint (noch). Markus hat trotz starker Bedenken sein Gepäck auf der BMW R1100RS unterbringen können. Lästig ist aber das Speedbag von Luis, das nun die Sicht über die in der Verkleidung eingebauten Spiegel verhindert. Es geht eben nichts über ein paar anständige Spiegel an Auslegern. 

Auf der A36 geht es Richtung Alzey und dann auf die A5. Ab Karlsruhe haben wir nun Regen mit Schnee vermischt und vereinzelt auch Hagel. Die Temperaturen bewegen sich nahe dem Gefrierpunkt. Am Dreieck Neuenburg geht’s weiter auf die A36 (E60) bis Ancon. Ab hier will nun eigentlich keiner mehr weiterfahren. Alle sind nass. Inzwischen habe ich 3 paar Handschuhe durchgeweicht. Die sollten eigentlich alle eine Membrane haben. Von wegen wasserdicht !

Völlig ohne Verkleidung hänge ich mit meinem Cruiser aber auch voll im Wind oder besser gesagt im Regen. Meine Jacke und Hose von Büse haben sich auch total vollgesaugt und an jeder Tankstellenkasse hinterlasse ich eine große Pfütze.  Aber hier funktioniert die Membrane. Unten drunter ist alles trocken und warm. Auch die nicht gerade billigen Stiefel von BMW halten absolut dicht und warm. Achmeds Jacke hat sich bis auf sein T-Shirt durchgefärbt. Zwischendurch haben Achmed und ich auf einer Tankstelle preiswert ein paar gummierte Schweisser-Handschuhe erstanden. Die haben wir dann einfach über ein paar dünne Sommerhandschuhe drübergezogen. Das Ganze ist nun aber so steif, dass nur noch mit Mühe die Kupplung gezogen oder gebremst werden kann. Aber mit eingefrorenen Fingern zu bremsen ist ja auch schlecht möglich. Achmed hat es zwischendurch mit den Latex-Handschuhen aus dem Notfall-Set probiert, aber die sind leider sofort gerissen. ( Auf welche Ideen man kommen kann, wenn man friert! ) Wir beschließen deshalb von der Autobahn abzufahren und uns auf der N83 ein Hotel zu suchen.

Unsere Hotelwahl fällt leicht. Direkt neben einem sehr teuren Hotel mit leckerer aber nicht gerade billiger Speisekarte gibt es eine kleine und preiswerte Pension, die auch für unsere vollgepackten Motorräder eine Garage bietet. 

Das Speedbag von Markus hat auch nicht dichtgehalten. Alle Klamotten sind nass. Auf seinem Zimmer sieht es nun aus wie in einer Wäscherei. Auf dem Weg in das andere Hotel, in dem wir speisen wollen, drehen wir den Heizkessel der Zentralheizung in der Garage noch etwas hoch, um den gerade mal lauwarmen Heizkörpern in unseren Zimmern etwas Dampf zu machen. Dafür werden wir uns von der Wirtin am nächsten morgen noch einen mächtigen Rüffel abholen dürfen. 

Sonntag 19. April

Abfahrt nach gutem Frühstück gegen 9:15 Uhr. Das Wetter ist immer noch bescheiden. Sprühregen. Auf der N83 fahren wir weiter Richtung Lyon. Kurz vor Lyon fahren wir wieder auf die Autobahn und zunehmend bessert sich auch das Wetter. Die Sonne kommt langsam durch. Da wir am ersten Tag nur ca. 500 km gefahren sind, beschließen wir nun ab Marseille die Nachtfähre zu nehmen und sparen uns die Weiterfahrt bis nach Nizza. 

Ankunft in Marseille um 17:00 Uhr. Die Suche nach dem Fährhafen gestaltet sich schwierig und drehen ein paar Ehrenrunden, bis wir die Straße zum Hafen finden. Um 18:00 Uhr haben wir unsere Tickets in der Tasche und die Sonne lacht uns von einem strahlend blauen Himmel entgegen. Wir habe eine 4-Bettkabine mit Waschbecken. Achmed bekommt fast eine Krise, als der die Größe unserer Behausung in Augenschein nimmt. Das Essen auf der Casanova ist sehr teuer und dafür auch noch kalt. 

       

Montag, 20. April
Ankunft in Ajaccio um 7:30. Achmed sucht verzweifelt seine Motorradschlüssel. Was er nicht wusste: Er hatte sie in der Hektik beim Verzurren der Motorräder unter Deck am Motorrad stecken gelassen und die freundlichen Matrosen hatten die Schlüssel an der Information abgegeben. Markus verlässt den Kahn als absolut letzter Schiffsgast. Weil er Achmed beim Suchen der Schlüssel half und man zwischenzeitlich das Zwischendeck abgesenkt hatte, durfte er warten, bis man ihn dann endlich „frei ließ“. 

Wir haben uns einen ruhigen Campingplatz in Tiuccia ca. 30 km nördlich von Ajaccio mit deutscher Bewirtung ausgesucht. Um diese Jahreszeit sind die Campingplätze noch absolut leer und wir können uns unseren Lagerplatz frei aussuchen.

Um 12:00 Uhr schwingen wir uns wieder auf die Mühlen. Der Platzwart hatte uns von einer wunderschönen Tour in die Berge erzählt. Das lassen wir uns doch nicht zweimal erzählen. 

Direkt vom Campingplatz fahren wir auf die D25 nach Ambiegna und hinter Ambiegna dann auf die D1, die lt. neuester Michelin-Karte in Rochas aufhört aber inzwischen weiter ausgebaut bis auf die D23 führt. Die D1 ist eigentlich eher für Enduristen geeignet. Mein Kreuz schreit schon nach einem Orthopäden und Achmed auf seiner ZZR mault nur noch rum. Richtung Vico sind unsere Motorräder dann wieder eher in ihrem Element. Auf der D23 halten wir uns links, um gleich auf der D70 nach Cristinacce weiterzufahren. Eine wunderschöne Landschaft erwartet uns im um diese Jahreszeit noch tief verscheiten Foret d’ Aitone. Der Ausblick auf die Gipfel links der Straße ist traumhaft.

        

Dienstag, 21. April
Wir haben wieder strahlend blauen Himmel, wollen es heute aber etwas geruhsamer angehen und steigen erst gegen 13:00 Uhr wieder auf unsere Motorräder. Wir fahren an der Küste entlang nach Porto. Nach Café aulait,  Sandwich bzw. leckeren Crépes geht es auf der D124 den Berg hinauf und weiter auf der D84 nach Evisa. Auf der D70 fahren wir wieder Richtung Sagone um gegen 18:00 Uhr wieder bei unseren Zelten zu sein.

 

         

Mittwoch, 22. April
Die Sonne scheint und Sardinien wartet auf uns. Wir schlagen unsere Zelte ab. In Bonifacio wollen wir gegen 3:00 Uhr die Fähre nach St. Teresa nehmen und fahren auf der N196 an Ajaccio vorbei Richtung Süden. Die D302 lädt uns wieder zum Kurvenwedeln ein. So viele Kurven hintereinander gibt es wohl nur auf Korsika. Über die D757 kommen wir wieder auf die N196, um nicht allzu sehr in Zeitverzug zu kommen. Auf Sardinien wollen wir nämlich noch bis Arbatax, um von dort die Insel für 4 Tage zu erkunden.

Zunehmend verschwindet die Sonne hinter dicken Wolken. Ca. 50 km vor Bonifacio nimmt der Wind sehr kräftig zu. Die Landschaft hat sich inzwischen stark verändert.

 In meinem Tagebuch steht, daß hier aus dem Reiseführer eine Beschreibung eingefügt werden soll.

 Auf einem kleinen Parkplatz mit Meeresblick machen wir eine Zigarettenpause. Der Wind bläst nun so stark, dass es Markus, der zugegebenermaßen so unglücklich steht, dass es ihn beim Absteigen samt Motorrad einfach umbläst. Er bekommt die volle Breitseite ab. Die Nieten der BMW-Koffer fliegen sämtlich aus ihren Löchern. Auch der rechte Spiegel muss für den Rest der Reise mit nur noch 2 Haltebolzen auskommen. 

Gegen 17:00 verlassen wir die Fähre in Sta Teresa auf Sardinien und fahren im Osten der Insel auf der S133 nach Süden. Die Sonne ist nun gänzlich verschwunden. In Olbia wollen wir auf die Autobahn, um schneller voranzukommen. Allerdings müssen wir ziemlich gefrustet feststellen, dass die Autobahn zwar in der Karte eingezeichnet, aber noch lange nicht fertig ist! Man merkt eben sofort, dass man nun in Italien ist. Wir geben unseren Plan, bis Arbatax zu fahren nach einer Stunde auf der S125 auf. So kann man keine Strecke machen und finden in La Caletta ein preiswerte Hotel (Hotel Sardinia) .

Der Hausherr ist unschwer als Liebhaber alter italienischer Fahrzeuge zu erkennen. Auf dem Hof steht ein liebevoll restaurierter Topolino und im Vorraum des Hotels noch eine alte einzylindrige Guzzi im Originalzustand. Im Restaurant Maxim bekommen wir ertklassige Spaghetti mit Meeresfrüchten und Riesenpizzen, die ebenfalls fürstlich munden. Wir beschließen den Abend bei Myrto und Espresso.

Donnerstag, 23. April.
9:00Es regnet! 12:00 Es regnet immer noch! Michael hat Hummeln im Hintern und fährt alleine los. Über Siniscola fährt er eine kleine Rundtour nach Lorde und über Mamone nach Bitti und weiter nach Lula. Kurz hinter Pta. Catirina endet die Straße. 8 km Schotter verändern die Farbe seiner BMW R850R von Metallic Grün in Sahara Gelb.

In der Zwischenzeit repariert uns der Hausherr aus seinem Schraubenfundus den Koffer von Markus. Die Halteschlösser waren doch tatsächlich mit nur 3mm starken Popnieten befestigt. Kein Wunder, dass nur 5 kg in die Koffer dürfen und die Schlösser im Laufe der Zeit immer wackeliger werden. 

17:00 Es hat aufgehört zu regnen. Wir essen wieder im Maxim. Die Wirtin verspricht uns Wetterbesserung. In einer Bar spielen wir noch eine Runde Billard und stoßen um 0:00 auf Michaels Geburtstag an.

Freitag, 24. April

Wir fahren weiter auf der Küstenstraße SS125 bis nach Lotzorai und suchen uns dort einen Campingplatz. Wir sparen uns das Aufschlagen unserer Zelte, denn der Campinglatz ist mit nagelneuen Mobilheimen ausgestattet, die wir zu DM 35,-- pro Tag als erste in Beschlag nehmen. Die Mobilheime sind mit kompletter Küche, 2 Schlafzimmern, Dusche, WC und sogar Fernseher ausgestattet. Zum Strand sind es nur 50 m.

Samstag, 25. April
Hier habe ich vermerkt, dass eine Tourenbeschreibung von Micha kommt.

    

Sonntag 25. April
Weiterfahrt nach Cagliari.

       

Montag 27. April
Gegen 6:00 Uhr in der Früh legt die Fähre in Trapani an. Wir machen gleich einen Abstecher nach Erice. Es liegt um diese Uhrzeit wie ausgestorben auf dem Plateau. Eigentlich ist es nicht erlaubt, aber da wir praktisch alleine sind, fahren wir mit unseren Motorrädern durch das kleine Dorf. Wir müssen höllisch aufpassen, das Pflaster ist glatt wie Schmierseife. Generell müssen wir auf Sizilien sehr aufpassen, da auch der sonstige Straßenbelag teilweise sehr wenig Grip bietet. Wir beschließen, uns auf dem Campingplatz in Scopello am „Golfo di Castellammare“ für die nächsten Tage niederzulassen. Am Abend regnet es wieder.

       

 Dienstag, 28. April.
Fahrt nach Selinunte. Über den Bergen hängen dicke schwarze Wolken. Da wir aber schon gestern einen faulen Tag eingelegt haben, wollen wir trotzdem die Tour nach Selinunte wagen. Über die Autobahn gelangen wir in ca. 1 Stunde nach Selinunte. Unterwegs haben heftige Regenschauer nur auf uns gewartet. Jetzt scheint die Sonne und am liebsten würden wir in Shorts und T-Shirt durch die Ruinen laufen. Helm und Tankrucksack haben ihren Platz in den abschließbaren Koffern eingenommen. Die Klamotten lassen uns nun im eigenen Saft schmoren. Da nützt auch die beste Membrane nichts. 


          

 Ein wenig Geschichte über Selinunte, wie es am Ort zu lesen steht:

Selinunt wurde gegen die Mitte des 7. Jahrhunderts vor Chr. (628 nach Thukydides VI 4,2; 651 nach Diodor XIII 59,4) von Siedlern aus Megara Hyblaea gegründet. Offenbar in friedlichem Einvernehmen mit den benachbarten Puniern besetzten die neuen Kolonisten weite Gebiete des Ackerlandes und siedelten sich an den wichtigsten Punkten des künftigen Stadtgebietes an. Dabei suchten sie in einer ersten Phase den Anschluss an ein auf der Nordspitze des Manuzza-Hügels liegenden sikanisches Dorf.

Im ersten Viertel des 6. Jahrhunderts erforderte das blühende Wachstum der Siedlung eine feste Ordnung des Areals in einer Einteilung des Grundes und der Anlage von Straßen gemäß den topographischen Gegebenheiten des Hügels. Langgestreckte Grundstücke von 32,80 m = 100 dorischen Fuß, gemessen in den Straßenachsen, werden gegliedert und erschlossen durch breitere Straßen, die zu den ersteren orthogonal verlaufen. Diese Grundstücke füllen sich mit der Zeit mit Wohnhäusern, die im 5. Jahrhundert v. Chr. in Dimensionen und Bautechnik große Monumentalität erreichen, während die Hauptstraßen mit mächtigen Steinplatten gepflastert werden.

Die Agora, der Ort der öffentlichen Verwaltung, ist noch nicht endgültig identifiziert, wird aber mit Grund im zentralen Bereich zwischen den beiden großen Wohnquartieren vermutet.

Die Heiligtümer nehmen gesonderte Bereiche im Süden, Osten und Westen ein, in denen die Tempel ihrerseits nach Ordnungsschemata angeordnet sind, die aus denen des Stadtplanes selbst abgeleitet sind (s. besonders die Tempelgruppe des Osthügels). Die Tempel, insbesondere die ab der Mitte des 6. Jahrhunderts gebauten Ringhallentempel, sind das bedeutendste Zeugnis des Wohlstandes der Stadt.

Im Jahre 409 v. Chr. endete die blühende Entwicklung der Stadt mit dem unerwarteten Angriff der Karthager. 408 v. Chr. wieder besetzt durch den Syrakusaner Hermokrates und teilweise wieder ummauert mit den heute sichtbaren Befestigungen, diente der südliche Hügel der alten Stadt fortan vor allem als befestigter Vorposten. Nach mehrfachem Wechsel der Fronten und der Besatzer blieb die Stadt in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts vorwiegend in punischer Hand und erfreute sich eines bescheidenen Wohlstandes bis in Jahr 250 v. Chr., als die verbliebene Bevölkerung vor dem Anmarsch der Römer nach Lilybaeum übersiedelt wurde. 

Erst in byzantinischer Zeit wurde der Platz wieder besiedelt, dann von den Arabern eingenommen und wohl auch wieder befestigt (s. da über den Ruinen der Tempel A und O errichtete Fort) und letzte Spuren der Besiedelung finden sich noch bis in staufische Zeit.

        

 Wir fahren weiter nach Mazara und suchen uns dort ein Lokal zum Mittagessen. In Marsalla besuchen wir eines der zahlreichen Weingüter. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen und kaufe einen Marsala. Geschmacklich könnte man ihn am ehesten mit einem süßen Cherry vergleichen. Über Salemi fahren wir wieder zum Campingplatz.

 Mittwoch, 29. April
Um 10:30 Uhr sind unsere Zelte eingepackt und alles wieder auf den Motorrädern verschnürt. Wir nehmen die SS118, um über Altofonte, Piana und Corleone auf die andere Seite der Insel nach Agrigent. Es ist unglaublich, über welche verwinkelten Gassen uns die SS118 in Altofonte führt. Wohnmobile oder Caravanfahrer sollten diesen Ort unbedingt meiden.

In Corleone, der Mafiahochburg und bekannt aus dem Film „Der Pate“, steuern wir gleich auf der rechten Seite das erste Restaurant „Da Gennaro“ an. Wir landen einen Volltreffer. „Pannette alla Lupara“ wird unsere Hauptspeise. Schade, dass man diese Köstlichkeiten auch beim Italiener in Deutschland so selten bekommt.

Der Wirt spricht sehr gut Deutsch und erzählt uns von einer Gruppe Harley-Fahrern, die jedes Jahr nach Corleone kommen. Letztes Jahr hatten sie sich einen besonderen Gag einfallen lassen. Die hatten sich doch tatsächlich getraut, mit der Aufschrift „Camorra“ auf ihren T-Shirts in Corleone einzufahren. Dazu muss man wissen, daß die Camorra aus Neapel sozusagen die Konkurrenz der Mafia ist. Diese ganzen Geschichten von der Mafia können wir nicht bestätigen. Wir fühlen uns auf der Insel sehr wohl. Die Leute sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Wer mit Wohnmobil oder dem Auto reist, für den mag es lästig sein, in größeren Orten an jeder größeren Kreuzung von jungen Burschen angesprochen zu werden, die gegen kleines Geld gerne die Frontscheiben putzen würden. Sizilien gehört zu den strukturschwachen Gebieten und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Was liegt da für die jungen Menschen in der Not näher, als sich auf diese Weise sozusagen „selbstständig“ zu machen. Wir sind von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Sizilianer überzeugt. Von Mafiamethoden keine Spur. 

Über Agrigent fahren wir die Küstenstraße weiter Richtung Gela. 

         

Gegen 19:00 Uhr knurrt allen der Magen und wir müssen uns ernsthaft Gedanken über eine Bleibe machen, denn um diese Jahreszeit sind noch nicht alle Campingplätze offen. Den Campingplatz in Gela, haben wir nicht gefunden. Ein braunes Schild mit Bett, Messer und Gabel weist uns den Weg zu einer Herberge für die Nacht. Noch ahnen wir nicht, was uns erwartet. Über einen sehr gepflegten und viele hundert Meter langen Feldweg stehen wir plötzlich vor einem Gutshof mit Stellplätzen für Wohnmobile, Tennisplatz und einem interessanten Ambiente. Unser Abendessen nehmen wir in der ehemaligen Scheune ein, die noch die alte Olivenpresse beherbergt. Es wird ein 5-Gänge-Menü aufgefahren, das uns aus allen Nähten platzen läßt. Es wären sicherlich die 3-fache Menge an Personen satt geworden. Wirklich ! Und geschmeckt hat es wunderbar ! Ein echter Geheimtip !

   

 Donnerstag, 30. April
Ankunft in San Marco. Ab Catania plötzlich Eintrübung aus sprichwörtlich heiterem Himmel. Der vom ADAC empfohlene Campingplatz „San Marco“ wird von uns verschmäht. Für Zelter gibt es keine anständigen Wiesenflächen und wegen des täglichen Animationsprogramms fürchten für um unsere Ruhe. Auf der gleichen Straße weiter vorne links liegt ein kleiner aber feiner Campingplatz mit durchgehender sattgrüner Wiesenfläche. Das ist doch was für uns! Der kleine Laden des Platzes hat um diese Jahreszeit zwar noch zu, aber mit dem Motorrad sind wir in fünf Minuten im Ort. Da gibt es dann alles zu kaufen. 
Freitag, 1. Mai
Kleine Tour über die Alcantara Schlucht. Der 1. Mai ist denkbar ungünstig für einen Ausflug. Dieser Tag ist nämlich auch in Italien ein Feiertag. Taormina ist so verstopft, dass wir es vorziehen in den Norden des Etna zu fahren. An der Alcantara Schlucht das gleiche Bild. Der Parkplatz ist total verstopft mit Autos. Was mag hier wohl in der Hochsaison erst abgehen.? Wir verzichten auf eine Besichtigung und verziehen uns weiter in die Berge, die mit kleinen verwinkelten Straßen locken.      
Samstag, 2. Mai
In der Nacht wird es kalt. Sternenklarer Himmel. Vom Campingplatz aus hat man einen herrlichen Blick auf den Etna. Am Morgen trübt es sich ein. Wir bangen um unsere Tour zum Etna. Wir fahren trotzdem los und auf halbem Weg klart es auch schon wieder auf. Auf den letzten 500 Metern bis zur Bergstation auf 1.900 Meter merke ich, wie meiner Dragstar langsam die Puste ausgeht. 

Mit der Seilbahn geht es dann bis auf 2.400 Meter. Mit allradgetriebenen Omnibussen geht es dann weitere 500 Höhenmeter durch die Lavalandschaft des Etna. Vom Bus aus können wir schon kleinere Eruptionen aus einem Nebenkrater beobachten. Dieser Krater ist neu. Als ich vor 2 Jahren mit dem Wohnmobil Sizilien bereiste, gab es diesen Krater noch nicht. Im übrigen habe ich einige Bilder vn dieser Reise hier mit eingestreut, soweit sie das Bildmaterial ergänzen. Die letzten 100 Meter bis zur erlaubten Grenze in 3.000 Meter Höhe sind zu Fuß zu gehen. 

        

Für die Fahrt mit der Seilbahn und den Bustransfer zahlt man pro Person ca. 62.000 Lire, also umgerechnet ca. DM 62,--. Hinzu kommen noch die Gebühren auf dem Parkplatz an der Seilbahnstation. Auch die Restaurantpreise sind hier im Osten doch deutlich höher als im Westen der Insel. Abends haben wir wieder sternenklaren Himmel und vom Zelt aus können wir die Eruptionen des Etna als kleine rote aufblitzende Lichtpunkte erkennen.

 Montag, 4. Mai
Aufbruch zur Heimreise. Gegen 10:00 machen wir uns auf den Weg nach Milazzo. Wir fahren wunderschöne Passstraßen mit unendlich vielen Kurven. Leider regnet es leicht. Kurz vor Milazzo geht die Straße in Schotter über und kurze Zeit später stehen wir vor einem kleinen Fluss, können aber die ersten Häuser von Milazzo schon sehen. Was nun ? Wir entschließen uns diese kleine Adventure-Einlage anzunehmen. Beine hoch und durch ! Die BMW von Markus schaufelt ihm das Wasser durch die Lüftungsschlitze direkt auf die Hosen. Trotz ca. 40 cm Wassertiefe habe ich mit meinem Cruiser Glück und komme mit auf dem Tank hochgelegten Füssen trocken auf der anderen Seite an. Achmed und seine ZZR meistern diese kleine Mutprobe auch meisterlich. 

       

In Milazzo buchen wir dann unsere Passage nach Neapel. Wir wollen so ein Stück abkürzen, um noch ein paar Tage am Gardasee zu verbringen. Wie sich dann herausstellt, hat man uns im Büro der Seramar-Linie Tickets 1. Klasse verkauft. Wir sind nicht böse drum, denn immerhin ist die 1. Klasse in der Nebensaison immer noch preiswerter als die 2. Klasse in der Hochsaison. 

Es wird stürmisch ! Die Wellen werden so hoch, dass die Fähre an den Liparischen Inseln nur noch 2 von 4 Häfen anfahren kann. Das Gesicht von Markus nimmt inzwischen auch schon ungewohnte Farben an. Die Bar auf dem Schiff schließt plötzlich in windeseile. Der Barkeeper hat auch diesen merkwürdig grünen Gesichtsausdruck, der nichts Gutes ahnen lässt. Es schaukelt mächtig. Wir haben die See von vorne. Die Brecher schlagen bis über den Bug der Fähre. 

Dienstag, 5 Mai.
Ankunft in Neapel gegen 7:00 Uhr. Markus hat die Nacht 1. Klasse im kleinen Bad über dem Waschbecken hängend verbracht. Was hätte Markus (besser: was hätten wir) gemacht, wenn wir in der 2. Klasse übernachtet hätten? Dort gibt es nur ein kleines Waschbecken im Zimmer! Nun stehen ihm noch ca. 700 km bis zum Gardasee bevor! Wir bedauern ihn sehr.  Es gießt in Strömen. Die Wolkenbrüche halten bis kurz vor Rom an. Hinter Rom dann leichte Wetterbesserung und ab Florenz klart sich der Himmel sogar etwas auf. Gegen 19:00 Uhr erreichen wir den Campingplatz „Formella“ in San Felice. Der Platz hat ausgezeichnete und saubere sanitäre Anlagen. 
Mittwoch, 6. Mai
Bis zum Mittag vergammele ich den Tag. Nach den fast 800 km am Stück am Vortag ohne Verkleidung sind die Arme lang und brauchen Entspannung. Markus, Achmed und Michael machen einen Einkaufsbummel in Salo. Danach brechen Markus, Michael und ich noch zu einer kleinen Tour zum Lago di Idro auf. Eigentlich wollten wir über den Tremelzzo-Pass zurück zum Gardasee, dieser ist jedoch für Motorräder gesperrt. Wir wären sowieso im Schnee stecken geblieben. Außerdem stellte sich heraus, daß die Abfahrt zum Gardasee wohl Schotterpiste ist. Wir fahren weiter nach Norden und über Riva dann auf der Westseite des Sees zurück nach San Felice.

     

Donnerstag, 7. Mai.
Weiterfahrt bei strahlend blauem Himmel über den Rechenpass in Richtung Heimat. Wir trennen uns in Oberreute im Allgäu. Michael und Achmed wollen durchfahren. Markus und ich suchen uns eine nette Pension in Oberreute. Bei „König Ludwig Dunkel“ wird der Urlaub noch einmal durchgegangen.

       

Freitag, 8. Mai.
Die Sonne strahlt uns vom wolkenlosen Himmel entgegen. Über Wangen geht es zunächst nach Ravensburg................

 

Punkte, die uns aufgefallen sind oder die wir während der Reise gelernt haben:
 Wenn mit viel Gepäck gereist wird, sind größere Besichtigungen kultureller Einrichtungen wegen der Gefahr des Diebstahls schwierig. Auch bewachten Parkplätzen ist leider nicht immer zu trauen. Am besten ist es, sich vorher eine Bleibe oder einen Campingplatz zu suchen, und die Wertsachen in abschließbaren Koffern zu verstauen. Selbst dann sollte man in den Großstädten wie z.B. Palermo das Motorrad möglichst nicht aus den Augen lassen. Wir haben deshalb die Großstädte gar nicht erst angefahren. 

Gepäck: Möglichst nur das Notwendigste mitnehmen. Für die von uns gewählte Jahreszeit ist Motorradbekleidung aus Textilstoffen mit Membrane am besten geeignet. Ein Fleecepulli, 3 bis 5 T-Shirts, Socken und 3-5 Unterhosen, 2 bis 3 Hemden und eine Jeans genügen auch für eine 3-wöchige Tour im Zelt. Funktionsunterwäsche aber auch Hemden ohne Baumwollanteil trocknen besonders schnell. Sie sind schnell durchgewaschen und schnell wieder trocken. Auf den Campingplätzen gibt es häufig Waschmaschinen und manchmal sogar Trockner. 1 großes Badehandtuch und ein kleines Handtuch müssen ebenfalls genügen. Ggf. muss auch das große Handtuch durch ein weiteres kleines ersetzt werden.  Dünne Zip-Pants (das sind die Hosen, von denen man die Beine per Reisverschluss abtrennen kann) eignen sich hervorragend. Bei Hitze kann man die Shorts unter der Motorradhose anziehen und bei Besichtigungen o.ä. die Motorradbekleidung im Koffer verstauen.

Die Gruppe: Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft und Rücksichtnahme sind angesagt. 

Vorher abklären, was jeder an Strecke zu fahren imstande ist. Ggf. mit einer Testfahrt über das Wochenende vorher ausloten, ob die Gruppe zusammenpasst. Nichts ist frustrierender, als Streit während des Urlaubs in der Gruppe. Die Tour gemeinsam genau planen! Kann sich während der Fahrt nicht geeinigt werden, kann auch eine zeitweilige Aufteilung der Gruppe von Vorteil sein, um sich an einem vorher festgelegten Ort und Zeitpunkt wieder zu treffen. Ein Campingplatz eignet sich hierfür am besten. Wird nicht gezeltet und ist das Hotel noch nicht bekannt, ist ein Handy pro Gruppe von großem Nutzen. Zu bedenken ist aber, dass während der Fahrt das Handy meist nicht gehört wird. Es sind dann nämlich weitere Absprachen über Zeitpunkte für die Anrufe zu vereinbaren und einzuhalten, zumindest aber sollte die Mailbox eingeschaltet sein. Achtung: Im Ausland ist zum Abhören der Mailbox ggf. ein Passwort notwendig! Das kann man am einfachsten an einem normalen Telefon ausprobieren. 

Zelt und Küche: Wer es mit einem anderen Menschen im Zelt aushält, kann sich ein Zelt teilen. Dies spart eine Menge Gepäck. Das gleiche gilt für die Küche. Es muss nicht jeder einen Kocher oder ein Set Töpfe dabei haben. Auch hier sind Absprachen sinnvoll. Bei den Kochern darauf achten, dass handelsübliche Gaskartuschen verwendet werden. Nicht jeder Kartuschentyp ist im Ausland erhältlich. Für „dringende Geschäfte“ zwischendurch ist eine Rolle Klopapier unterzubringen. Man kann die Rolle auch durch ausreichend Tempotaschentücher ersetzen, die kleinen Päckchen lassen sich in den kleinsten Ritzen verstauen. Wer den Kaffee mit Milch trinkt nimmt am besten Milchpulver und verstaut dies in Schraubdosen. Dies gilt auch für Gewürze etc. Die kleinen Schraubdosen und Flaschen aus Weichplastik gibt es günstig in Outdoorgeschäften.

Sonstiges: Als sehr praktisch hat sich meine 12V Stablampe, wie sie auch in KFZ-Werkstätten benutzt wird, erwiesen. Sie ist sehr lichtstark aber sparsam im Stromverbrauch (ca. 8W/0,66A Neonröhre) und an die Bordsteckdose des Motorrads gesteckt. Während der Fahrt wird die Stablampe einfach zum Zeltgestänge gepackt. Leicht ist sie außerdem.